Avenor

Der Helfer · Kapitel 11

Epilog: Das letzte Leben

Heute wache ich nicht mehr in Hotels auf, ohne mich daran erinnern zu können, wo ich mich befinde. Troll schaut mich aus seinen blauen Augen an, während ich die Tür der einfachen Hütte abschließe. Meine Koffer stehen gepackt neben mir und ich muss sie nach unten zum Geländewagen tragen, da der Hang hinab lediglich mit Moosen, wilden Himbeeren und Farnen bewachsen ist. Mein Husky genießt die letzten Momente mit mir, da er instinktiv weiß, dass ich die nächsten Wochen unterwegs sein werde. Nachher werde ich ihn Frode, einem benachbarten Bauern, anvertrauen.

Zum Abschied blicke ich zur Hütte hinauf, welche bereits nur mit einiger Phantasie, hinter Kiefern und Buchen zu erkennen ist. Die Luft riecht nach nahendem Winter, und die Temperaturen werden bald fallen. Meine Narben aus hundert Abenteuern spannen und bestätigen meine Vermutung.

Als ich vor einigen Jahren aus Brasilien zurückkam, habe ich die alte Hütte meines Großvaters, eines enthusiastischen Dynamit-Fischers und Schnaps-Brenners, im Süden Norwegens renoviert. Seit dieser Zeit fliege ich statt von Frankfurt, von Oslo zu den Projekten, an denen ich immer noch mitarbeite. Den Auftraggebern ist es egal, von wo ich starte, solange ich meinen Job mache und die Berichte stimmen. Heute Nachmittag geht es nach West-Afrika. Dort arbeite ich regelmäßig, trotz Ebola-Epidemie, in einem Projekt mit. Der Grund, warum ich das Risiko, ein Weiteres, nach so vielen Risiken, auf mich nehme, ist die kleine Familie, die ich dort in Sierra Leone seit drei Jahren habe. Meine Frau ist, bevor ich sie traf, verwitwet gewesen und somit fast eine Ausgestoßene in ihrer Gesellschaft. Nun haben wir zwei gemeinsame Kinder. Auch in Mexiko, Marokko und Indien habe ich Familien. Die EU zahlt gut und es bleibt genug für uns alle übrig. Viel Geld brauche ich nicht mehr und seit ich einige Wochen im Jahr hier in der Hütte lebe, fische und jage, geht es mir gesundheitlich besser, als jemals zuvor. Heute habe ich sechsundzwanzig Söhne und Töchter, eigene und adoptierte, und bald auch erste Enkelkinder. Ich bin frei. Ich bin … der Helfer.

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